QV-Vorbereitung mit intensiv-KI

KI trainieren statt KI verdrängen

Das erste Qualifikationsverfahren hat deutlich gezeigt: KI verändert die Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung grundlegend. Lernende können Aufgabenstellungen und Material in ChatGPT oder Claude eingeben und erhalten oft in kurzer Zeit brauchbare Texte, Präsentationen, Tabellenstrukturen oder Berichte. Teilweise sind diese Ergebnisse bereits so gut, dass sie gemäss Bewertungsraster akzeptabel sind.

Daraus folgt nicht, dass Fachwissen unwichtig wird. Es verändert aber seine Funktion. Fachwissen wird stärker zu Kontrollwissen. Lernende müssen nicht mehr jede Lösung vollständig von Grund auf selbst schreiben können. Sie müssen aber erkennen, ob eine KI die Aufgabe richtig verstanden hat, die korrekten Daten verwendet, irrelevante Informationen ausblendet und ein Produkt liefert, das fachlich, formal und technisch weiterverwendbar ist.

KI kann schreiben, Lernende müssen führen

Die entscheidende Kompetenz lautet künftig nicht mehr nur: «Kann ich diese Aufgabe lösen?»
Neu lautet sie: «Kann ich eine KI so führen, dass daraus eine korrekte, fallbezogene und bewertbare Lösung entsteht?»

Genau hier setzt das Repetitorium an. Es trainiert nicht nur einzelne Fachinhalte, sondern die Arbeit in realistischen Prüfungssituationen: längere Falltexte lesen, Informationen auswählen, Aufgaben klären, KI gezielt einsetzen, Ergebnisse prüfen und daraus professionelle Produkte erstellen.

Dazu gehört auch die Auftragsklärung. Bevor die KI eine Lösung erzeugt, müssen Lernende klären, was genau verlangt ist, welche Daten relevant sind, welche Informationen nicht zur Aufgabe gehören und woran die Lösung gemessen wird. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert eine schöne, aber falsche Lösung.

Der Unterschied zu klassischen webbasierten QV-Trainings

Viele bisherige QV-Trainings sind webbasiert aufgebaut. Lernende erhalten dort oft einzelne Prüfungsausschnitte, beantworten Fragen und erhalten Rückmeldungen. Das kann für die Wiederholung nützlich sein, bleibt aber häufig im Frage-Antwort-Modus.

Was dabei zu kurz kommt, ist die praktische Anwendung mit KI: Wie erstelle ich mit KI eine Präsentation, die nicht nur gut aussieht, sondern weiterbearbeitet werden kann? Wie prüfe ich eine Tabelle, damit nicht nur Zahlen, sondern auch Formeln und Funktionen vorhanden sind? Wie erkenne ich, ob ein KI-generiertes Worddokument professionell formatiert ist, Formatvorlagen nutzt und ein Inhaltsverzeichnis ermöglicht? Wie überarbeite ich ein Prozessdiagramm so, dass Text, Formen und Verbindungen wirklich zusammengehören?

Genau diese praktische Arbeit wird im QV und im Berufsalltag entscheidend. Es reicht nicht, die richtige Antwort anzuklicken. Lernende müssen vollständige Produkte erstellen, prüfen, verbessern und verantworten. In der Praxis muss mit den erstellten Produkten auch in den Teams weitergearbeitet werden können!

Das Repetitorium als KI-Trainingsraum

Mein Vorschlag – Ihr Nutzen: Die Lektionsplanung fürs KI-Training

Das Repetitorium bietet dafür einen besonderen Vorteil. Die vier Szenarien bilden grössere, zusammenhängende Projektwelten. Lernende arbeiten nicht nur an isolierten Fragen, sondern an echten Produkten: Projektplänen, Präsentationen, Budgets, Berichten, Serienbriefen, Flyern, Gantt-Diagrammen, Prozessübersichten, Datenschutznotizen und weiteren Office-Ergebnissen.

Damit entsteht ein realistisches Training für die neue Prüfungssituation. Die Lernenden erfahren, dass KI viel leisten kann, aber nicht automatisch prüfungsfähig und realitätsnah arbeitet. KI liefert Entwürfe. Die Lernenden müssen führen, prüfen und professionalisieren.

Der empfohlene Ablauf lautet deshalb:

Auftrag klären
Die Lernenden bestimmen zuerst, was genau verlangt ist und welche Informationen relevant sind.

KI gezielt einsetzen
Die KI erhält nicht einfach den Auftrag «Löse diese Aufgabe», sondern klare Rollen, Kriterien, Daten und Qualitätsvorgaben.

Ergebnis fachlich prüfen
Die Lernenden kontrollieren, ob Fallbezug, Datenbasis, Aussagen und Bewertungslogik stimmen.

Produkt technisch prüfen
Tabellen, Präsentationen, Worddokumente und Diagramme werden darauf geprüft, ob sie bearbeitbar, professionell formatiert und im Team weiterverwendbar sind.

Lösung überarbeiten
Erst durch die Überarbeitung wird aus einem KI-Output ein eigenes, brauchbares und bewertbares Produkt.

Study-Buddies einsetzen
Während des gesamten Prozesses können die Lernenden die KI-Study-Buddies die zu jedem Szenario gehören als Coach oder zur Kontrolle nutzen

Warum das für Lernende wichtig ist

Viele Lernende werden künftig nicht weniger KI einsetzen, sondern mehr. Einige werden sich gezielt für leistungsfähige KI-Tools entscheiden. Deshalb ist es nicht sinnvoll, KI aus der Vorbereitung auszublenden. Entscheidend ist, den Umgang damit bewusst zu trainieren.

Die wichtigste Botschaft lautet: Nicht die teuerste KI entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, KI richtig zu steuern.

Wer die Aufgabe nicht eingrenzen kann, erhält unter Umständen eine überzeugend formulierte, aber falsche Lösung. Wer keine Tabellenformeln prüft, gibt vielleicht eine schöne, aber nicht nachvollziehbare Excel-Datei ab. Wer eine Präsentation ungeprüft übernimmt, erhält möglicherweise ein optisch ansprechendes Produkt, das technisch kaum weiterbearbeitet werden kann.

Darum braucht moderne QV-Vorbereitung nicht weniger, sondern bessere KI-Kompetenz.

Die neue Strategie

Das Repetitorium wird neu als Training für KI-gestütztes Arbeiten eingesetzt. Es verbindet Fachwissen, Prüfungskompetenz, Office-Anwendung und KI-Prompting in realistischen Projektsituationen.

Die Lernenden üben, wie man mit KI schnell arbeitet, ohne die Verantwortung abzugeben. Sie lernen, wie man KI-Produkte prüft, verbessert und in professionelle Ergebnisse verwandelt.

So entsteht eine Vorbereitung, die näher an der tatsächlichen Prüfungssituation und näher am modernen Berufsalltag ist als ein reines Frage-Antwort-Training.

Der Leitsatz bleibt einfach:

Nicht nur schön: brauchbar, bearbeitbar, bewertbar.